Das Schreiben fällt mir sehr schwer. Obwohl ich geplant habe, einen super Blog zu schreiben… Ich schaffe es nicht. Oder zumindest muss ich viel aufholen.

Die Woche nach der Chemo habe ich fiebrig verbracht. Angefangen hat es mit 38,2, das hat mich fertig gemacht. Am Samstag waren bereits 40 nicht mehr erschütternd. ICH WUSSTE NICHT, dass ich in ständiger Lebensgefahr geschwebt bin. Mein Gehirn hat das nicht registriert. Nachmittags bin ich spazieren gegangen, frische Luft, abends fing das Fieber los und dauerte bis zum nächsten Morgen. 3 verschiedene Antibiotika flossen in mich, der Entzündungswert war 228, die Toleranz liegt bei 5. Gott sei Dank habe ich keine Lungenentzündung bekommen. Das passiert bei 95% aller Leukämie-Patienten.

Mein Magen war fertig. Ich hatte solche Krämpfe, wie noch nie in meinem Leben. Egal, was ich bekommen habe, es hat nichts geholfen. Hinzu kam die Übelkeit, es kam vor, dass ich 2 Tage nichts essen konnte, ich musste mich sogar von Wasser übergeben. Es war witzig, dass die Infusion gegen Übelkeit in mich hineinfloss, während ich mich übergeben habe… Aber langsam ging es meinem Magen wieder gut, zum Glück habe ich auch Appetit, so kann ich die Schönheiten der Krankenhauskost genießen.

Da ich keine weißen Blutkörperchen habe, habe ich auch kein Immunsystem und bin deshalb in Isolation. Das muss man sich nicht so vorstellen, dass ich in einem Plastikzelt bin, sondern es wurden nur gewisse Vorkehurngen zu meinen Gunsten getroffen. Zum Beispiel darf man Zimmer nur betreten, wenn man die Hände desinfiziert hatte. 2-mal täglich wird das Zimmer desinfiziert, jeden Tag ein frisches Handtuch, Bettwäsche, Schlafanzug. Egal, was ich bekomme, ich wische einmal drüber. Ich darf nur Wasser aus der Flasche trinken, oder Tee, Kaffee nur aus gekochtem Wasser. Ich darf nichts essen, in dem Nüsse, Kürbiskerne oder Sonnenblumenkerne enthalten sind (ich esse nicht viel Schokolade, aber gerade würde ich alles für einen Bissen geben), weil die Schale dazu neigt, schnell zu Schimmeln und ich keine Pilzinfektion brauchen kann. Ich darf kein frisches Gemüse essen, Obst auch nur geschälte Äpfel und Birnen. Die Erdbeersaison fällt dieses Jahr aus. 😦 Ich darf nur frisch zubereitetes Essen zu mir nehmen und darf nur einmal daraus essen. Was ich sehr vermisse: Salat, Tomaten…dieses Jahr bleibt das alles aus.  

Was noch interessant ist, ist, wie sich meine Haut, meine Nägel verändern. Alles wurde sehr dünn und durchsichtig. Die gute Chemo…der Glanz meiner Nägel ist weg, sie wachsen aber sehr schnell. Meine Haut ist manchmal gräulich, erschöpft, aber trotzdem so weich, wie der Po eines Neugeborenen. Ich habe von Freunden eine Bodylotion von Eucerin bekommen, das beweirkt wunder.

HAARE

Sie haben gesagt, dass sie ausfallen werden. Ich habe gesagt, meine nicht. Aber doch. Jetzt sind sie 2cm lang. Damit die Veränderung nicht so drastisch ausfällt. Aber auch so fallen sie aus. Ich glaube, ich habe nur noch Tage bis zur Glatze. Das tut weh. Alle sagen, sie werden nachwachsen und werden noch schöner als vorher….. das ist aber kein Trost. Etwas zu verlieren, das zu dir gehört, ist nicht einfach. Zwar bereite ich mich mental darauf vor, mit meinen Augen bin ich bereits im Kontakt, die werden bleiben, sind nicht vergänglich und ich habe entschieden, dass ich auch das schaffen werde.

Es gab ein Gespräch

Über meine Beerdigung. Falls mich die Krankheit umbringt. Nur als Option. Ich habe Bada alle meine Wünsche erzählt. Und er hat mich nur vom anderen Ende des Bettes weinend angesehen unter der blöden Maske. Das war noch in der Zeit des Fiebers. Er wusste, dass ich jederzeit sterben könnte. Ich nicht. Ich wollte es im Allgemeinen nur besprechen. Normalerweise wissen sowas die Paare voneinander. Aber das bekommt im Schatten des Todes eine andere Tiefe. Ich bin froh, dass wir darüber geredet haben, auch, wenn es uns sehr schwer gefallen ist.

REGENBOGEN

Der Titel meines Blogs ist Regenbogen. Seit dem Tod meiner Mama erscheint immer ein Regenbogen, wenn ich traurig bin, oder ein Problem habe. Auch, wenn es nicht geregnet hat. Das hat mir immer Hoffnung gegeben, dass alles wieder gut wird. Jetzt umgebe ich mich mit Regenbogen, ich umhülle mich damit, weil alles wieder gut wird. Auf der Station, auf der ich liege, haben sie auf jede Tür eine Kinderzeichnung angebracht, mit der Aufschrift „Gute Besserung“. Auf meiner Tür ist eine Zeichnung von einem Regenbogen. Es gibt doch keine Zufälle, stimmt‘s?

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